Lieber Spenderinnen und Spender für die Familie von Mohammed Mabrouk,

vor etwas mehr als einem halben Jahr hat das ARD Studio Kairo zusammen mit der Stuttgarter Kinderhilfsorganisation „Future4Kids“ ein Sonderprojekt gestartet, um die Familie von Mohammed Mabrouk in Kairo zu unterstützen. Ausgangspunkt war unser Bericht im ARD-Weltspiegel im vergangenen Oktober gewesen über die schwierige wirtschaftliche Lage in Ägypten. Leider müssen wir jetzt das Sonderprojekt nach reiflicher Überlegung beenden, weil sich die Zusammenarbeit mit der Familie als zunehmend schwierig herausgestellt hat.

Als Zuschauer nach Ausstrahlung des Weltspiegels ihre Spendenbereitschaft erklärt hatten, planten wir vom ARD Studio Kairo zusammen mit Stefanie Liebig von „Future4Kids“ aus Stuttgart ein für uns ungewöhnliches Spendenprojekt. Wir wollten Hilfsgelder aus Deutschland dem Protagonisten unserer Reportage sinnvoll zukommen lassen. Auch uns als Kamerateam hatte das Schicksal der Familie berührt. Angesichts der dauerhaft schwierigen Wirtschaftslage in Ägypten - mit steigenden Preisen und wegfallenden Jobs -, die vor allem arme Familien besonders stark trifft, wollten wir nicht tatenlos zuschauen, sondern konkret helfen, wo dies möglich ist.

Stefanie Liebig von „Future4Kids“ erklärte sich bereit, die Spenden zu sammeln, damit das ARD Studio Kairo diese an die Familie in Kairo weiterleiten kann. Zu Beginn funktionierte dies gut. Mohammed Mabrouk kam mit seiner Frau und den Kindern in das ARD Studio und gemeinsam wurde das weitere Vorgehen besprochen. Die Familie wünschte sich Betten und Matratzen, da sie vorher auf Decken auf dem Boden geschlafen hatte. Außerdem war es ein Anliegen von Mohammeds Frau, eine halbautomatische Waschmaschine zu besitzen. In ihrem Viertel konnten wir gebrauchte Matratzen, Betten und eine Waschmaschine mit Hilfe eines ägyptischen ARD-Mitarbeiters anschaffen. All dies zusammen kostete im Januar 2017 umgerechnet 240 €.

Darüber hinaus hatten wir mit Mohammed Mabrouk besprochen, mittel- und langfristig ein Projekt im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu finanzieren. Eine erste Idee war die Anschaffung eines eigenen Tuk-Tuks, damit Mohammed daraus Einnahmen generieren kann, anstatt als Handwerker täglich auf kleinere Aufträge angewiesen zu sein. Doch dies stellte sich als zu teuer heraus, da mittlerweile das ägyptische Pfund freien Wechselkursschwankungen unterworfen ist und so ein Tuk-Tuk derzeit ca. 1.900 € kosten würde. Eine weitere Idee war der Kauf einer Waage und ein eigener Gemüsestand für die Familie. Dies scheiterte letztendlich daran, dass dies legal nur schwer möglich ist. Im Armenviertel der Familie hätten sie keine Genehmigung bekommen, sodass sie einen bestehenden Händler dafür hätten bezahlen müssen, um vor dessen Geschäft auf dem Gehweg Gemüse feil zu bieten. Dazu hätte stets die Gefahr bestanden, Opfer einer Polizeirazzia zu werden. Dies kam für uns nicht in Frage.

Seit Februar 2017 gestaltete sich jedoch die Zusammenarbeit mit Mohammed Mabrouk als zunehmend schwierig. Wochenlang war er für uns telefonisch nicht erreichbar. Vereinbarte Treffen wurden nicht eingehalten. Zudem konnten wir mit Mohammed Mabrouk keine wirklich tragfähige Übereinkunft erzielen, wofür die Spenden eingesetzt werden sollten. Die Absicht, zusammen ein Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ umsetzen, funktionierte leider nicht. Bei der Familie fehlte die Einsicht, die Entschlossenheit aber wohl auch die Fähigkeit, dies mit uns verlässlich umzusetzen. Möglich wäre dies nur gewesen, bei einer Betreuung „rund um die Uhr“, die das ARD Studio Kairo aber neben der eigentlichen Arbeit ehrenamtlich nicht leisten kann.

Bzgl. der Versorgung der Kinder hatte Mohammed uns zuletzt Positives berichtet: Sie besuchen eine öffentliche Schule, die keine Schulgebühren erhebt. Auch werden mittlerweile offenbar die Schulbücher gestellt. Laut Eigenaussage kann Mohamed die monatlichen Kosten für den Nachhilfeunterricht (ca. 11,5 €; 220 LE) der beiden Kinder mit seinen Einnahmen stemmen, ebenso Materialien wie Hefte und Stifte.

Wir bedauern sehr, dass eine langfristigere Unterstützung für uns nicht mehr machbar ist. Wir konnten mit Betten, Matratzen und einer Waschmaschine wichtige Dinge finanzieren, stoßen aber bei der dauerhaften Verwendung monatlicher Spenden an unsere Grenzen, auch weil wir nicht garantieren können, dass die Familie diese sinnvoll und im Sinne der Spender verwendet.

Für die Abwicklung bereits geleisteter Spenden gibt es die Möglichkeit, dass Stefanie Liebig diese zurück überweist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das bereits gespendete Geld auch einem anderen Projekt von „Future4Kids“ zu Gute kommen zu lassen. So z.B. für das Stuttgarter Projekt „Refugee Kids“ oder für das Sonderprojekt „Murad“ im Jemen, wo einem kranken Jungen eine medizinische Behandlung ermöglicht wird. Auch dieses Projekt war aus der Spendenbereitschaft nach einem Weltspiegel-Beitrag hervorgegangen.

Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihr Engagement und stehe für Rückfragen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Matthias Ebert/ Reporter ARD/SWR