Wir haben im Rahmen eines Sonderprojektes in Zusammenarbeit mit Thomas Aders (ARD Korrespondent in Kairo) die Spendenplattform für die dringend benötigte Soforthilfe Zugunsten von Murad aus Jemen eingerichtet.
Die Spenden werden 1:1 direkt an seine Familie in Sanaa transferiert!

Den bewegenden Beitrag der Sendung Weltspiegel vom 24.04.2016 sehen Sie hier: http://bit.ly/1Nu4TNB

 

MURAD-REPORT #3: 13.07. 2016

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Unterstützer und Unterstützerinnen,

es gibt gute und schlechte Nachrichten aus Sanaa. Die schlechte zuerst: der Gesundheitszustand von Murad hat sich verschlechtert. Vor einigen Tagen wurde er mit starken Schmerzen in das Modern German Hospital eingeliefert, seine Blutwerte hatten sich nach Angaben des behandelnden Arztes Dr. Maher Sharba dramatisch verschlechtert, infolge dessen wurde eine Notfall-Bluttransfusion gemacht. Die Werte scheinen sich seitdem – so zeigen es die neuen Untersuchungen – zwar wieder stabilisiert zu haben, so dass man zu der früheren Behandlung zurückkehren konnte. Leider aber ist nach Auskunft von Dr. Sharba Murads Milz stark angegriffen. Eine Operation, bei der diese entnommen werden würde, scheint nicht mehr unwahrscheinlich zu sein.

Murad mit seinem Onkel im Krankenhaus

Murad mit seinem Onkel im Krankenhaus

Das sind Informationen, die nach all den positiven Berichten der letzten Monate zum ersten mal wieder zeigen, dass wir es bei der Sichelzellenanämie mit einer sehr schweren Form von Blutkrankheit zu tun haben, für die es letztlich keine erfolgversprechende Therapie gibt. Und dennoch: stellen Sie sich vor, niemand hätte vom Schicksal des kleinen Jungen erfahren und es hätte keine so große Bereitschaft gegeben, Murad zur Seite zu stehen. Dann wären die Schmerzschübe mit Sicherheit viel öfter und viel früher gekommen. Dann hätte er die gesamte Zeit unter menschenunwürdigen Bedingungen auf einem Feld außerhalb der Hauptstadt leben müssen, der Weg ins Hospital hätte viele grausame Stunden gedauert und dort wäre er ohne eine Behandlung und – wenn es gut gelaufen wäre – mit maximal einem Schmerzmittel wieder nach Hause geschickt worden.

In der Wohnung im Zentrum von Sanaa

In der Wohnung im Zentrum von Sanaa

Jetzt aber wohnt er zusammen mit seiner Familie in einem einfachen, aber sauberen Haus in der Nähe des Hospitals, braucht wenige Minuten ins Krankenhaus und wird dort sofort von Spezialisten untersucht. Und vor allem: er bekommt – als einer der wenigen Patienten im Jemen – die beste Behandlung, die in dem Bürgerkriegsland denkbar ist. Sie haben dafür gesorgt, dass Geld zur Verfügung steht: Für die Miete und die Einrichtung der Wohnung, für die Organisation von seltenen Medikamenten, für die stationäre Pflege und – falls es sein muss – auch für die anstehende Operation.
Wir halten Sie über den Zustand des Jungen auf dem Laufenden, in unserem nächsten Muradreport.

Der unaufhörlichen Mithilfe unserer ARD-Kollegen Mohammed Baza und Fuad al-Yadumi in Sanaa ist es zu verdanken, dass sich nun auch eine Nichtregierungsorganisation um den Stamm von Murad kümmert, der sich vor den saudi-arabischen Kampfjets in die Hauptstadt geflüchtet hat. Es handelt sich um 25 Familien mit rund 200 Mitgliedern, die meisten sind untereinander verwandt. Sie leben noch immer auf dem freien Feld, auf dem auch Murads Familie vorher gewohnt bzw. vegetiert hatte. Mittlerweile hat die NGO – auf Anraten Mohammeds und Fuads – zwei große Wasserbehälter in der Mitte der Notunterkünfte aufgebaut, die regelmäßig mit Tanklastwagen gefüllt werden. Ferner hat offenbar auch jede Familie ihre eigene Solarzelle bekommen. Die 25 Flüchtlingsfamilien haben nun also Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu Strom. Diese Tatsache können wir uns gemeinsam nicht direkt ans Revers heften, indirekt aber durchaus. Ohne den permanenten Druck, der von Future4Kids ausgeht, hätte es diese Aktion wohl nie gegeben.

Kollege Mohammed Baza

Unermüdlich - Kollege Mohammed Baza. Ohne seinen Einsatz wäre jede Hilfe für Murad unmöglich.

Mohammed Baza plant überdies gerade eine weitere, große Hilfsmaßnahme für die 200 Menschen: er will auf dem Markt eine umfassende Lebensmittellieferung organisieren, in der Größenordnung von 200 Dollar pro Familie. Mit dieser Menge dürfte ein ausgewachsener LKW bis obenhin beladen werden können, mit einfachen Lebensmitteln wie Bohnen, Reis, Nudeln, Öl, Salz, Zucker, Milchpulver etc. Es wäre eine Lieferung, die jeder Familie das Auskommen für mehrere Monate sichern würde.
Auch dazu mehr in unserem nächsten Bericht.

Kairo, den 13.7. 2016
Thomas Aders

 

Muradreport #2  Ende Mai 2016

Liebe Spender und Spenderinnen, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

es hat sich sehr viel Positives getan seit unserem letzten Bericht aus Sanaa. Zunächst einmal, und am Wichtigsten: unser kleiner Patient Murad al-Sherifi ist mittlerweile in professioneller medizinischer Behandlung!
Mit der Unterstützung aus Deutschland (Ferndiagnose durch unseren Kinderurologen aus Homburg im Saarland) haben Dr. Maher Sharba und Dr. Osama Al-Thawr vom Modern German Hospital in Sanaa mehrere eingehende Untersuchungen gemacht und Murad geeignete Medikamente verschrieben.

Untersuchung im Hospital

 

Auch wenn es bei Sichelzellenanämie keine Heilungschancen gibt, sind die Ärzte Dank Ihrer Hilfe nun in der Lage, Murad richtig „einzustellen“ und ihm im Falle der häufig auftretenden Anfälle seine brutalen Schmerzen zu lindern.

Untersuchung im Hospital

 

Besonders glücklich sind wir auch darüber, dass Mohammed Baza und Fuad al-Yadomi, unsere Kollegen in Sanaa, in ihrer Freizeit auch den Umzug der Familie von Murad in eine einfache, aber saubere Wohnung bewerkstelligt haben. Von unserer Seite einen riesigen Dank an die beiden, ohne sie wäre das ganze Projekt gar nicht denkbar gewesen!

Wohnungsbesichtigung

 

Die Wohnung liegt in der Nähe des Hospitals, das heißt, der Weg zu den regelmäßigen Behandlungen ist um rund 35 Kilometer kürzer geworden. Vor allem aber kann Murad bei einem Schmerzschub nun in wenigen Minuten in der Klinik sein! Natürlich haben Mohammed und Fuad auch dafür gesorgt, dass die einfachsten Einrichtungsgegenstände nach und nach gekauft werden können.

Kauf von Einrichtungsgegenständen

Kauf von Einrichtungsgegenständen

 

Murads Familie lebte bislang in einer Lehmhütte, die von giftigen Schlangen und Skorpionen heimgesucht wurde. Besonders die Tatsache, dass es dort kein frisches Trinkwasser gab und jetzt im beginnenden Sommer unerträglich heiß war, hat uns zu dieser Maßnahme bewogen: Bei einer Sichelzellenanämie ist es unerlässlich, genug zu trinken und sich in einigermaßen kühlen Räumen aufzuhalten, da sonst die Schmerzen noch schlimmer sind.

Wohnung mit Teppich

Wohnung mit Teppich

 

Es ist also viel passiert, dank Ihrer Hilfe! Die Familie von Murad hat nun ein neues Zuhause, die Kosten für die Miete der Wohnung betragen knapp 1000 € für ein halbes Jahr, dazu kommen einmalige Ausgaben von knapp 500 € für Matratzen, Kissen, Teppich und Gaskocher. Wie hoch die Kosten der medizinischen Betreuung sind, steht noch nicht fest, auch hier werden wie Sie in einiger Zeit informieren. Das Geld, das Sie gespendet haben (rund 25.000 €) dürfte insgesamt also eine ganze Weile lang die wichtigsten
Kosten abdecken.

Murads Familie im neuen Heim

Murads Familie im neuen Heim

 

Murads Familie im neuen Heim

Murads Familie im neuen Heim

 

Wir hatten ja bereits in unseren ersten Mails davon gesprochen, dass wir es nicht damit bewenden lassen wollen, Murad zu helfen. Wenn seine Situation sich zum Besseren gewendet hat, wollten wir dafür sorgen, dass andere Mitglieder des Stammes ebenfalls in den Genuss von Hilfsleistungen kommen.
Auch dies ist bereits geschehen! Der kleine Ahmed, Sohn des Stammeschefs Mahdi, hatte einen Tag lang unter den Trümmern des Hauses gelegen, das die saudi-arabische Luftwaffe bombardiert hat. Als sein Vater ihn schließlich bergen konnte, war sein Fuß mehrfach gebrochen und Ahmed dem Tode näher als dem Leben. Zwar wurde er notdürftig operiert, aber seit Wochen befanden sich Metallschrauben in seinem Fuß, die ihn zwangen, mit Krücken zu laufen.
Ahmed ist im gleichen Modern German Hospital in Sanaa operiert worden, er ist auf dem Wege der Besserung.

Ahmed

Ahmed
Future4Kids überweist nach und nach Ihr Spendengeld in die jemenitische Hauptstadt, leider können pro Transaktion nur kleinere Summen (zwischen 1000 und 2000 US Dollar) überwiesen werden, es wird also eine ganze Weile dauern, bis das Geld in Sanaa ist. Auch möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, dass die Gebühren pro Überweisung mehr als 50 Euro betragen.
Aber wir versichern, dass dies das einzige Geld ist, das nicht direkt bei den Familien ankommt. Ansonsten können wir garantieren, dass jeder Cent so sinnvoll eingesetzt wird wie nur möglich. Und selbst die Überweisungsgebühren sind schlicht und einfach notwendig, ohne sie könnten wir überhaupt kein Geld in den Jemen transferieren.

Fest steht: bereits jetzt haben wir gemeinsam bereits zwei Kindern wirklich geholfen!

Und so soll es weitergehen.

Aus Kairo mit herzlichen Grüßen,
Ihr
Thomas Aders

 

Thomas Aders hat uns erste Informationen zu Murad geliefert, die wir Ihnen selbstverständlich nicht vorenthalten möchten. Lesen Sie im Folgenden wie es bisher weiterging:

MURAD-REPORT #1: 03. Mai 2016

 

Murad mit Bruder und Stammes-Chef

Da wir aus Datenschutzgründen auf die Veröffentlichung von Namen generell verzichten wollen, nur so viel: ein leitender Oberarzt (Kinderurologe) und ein Professor (Onkologe und Hämatologe) aus dem Saarland stehen uns als kompetente Experten mit Rat und Tat zur Hilfe. Medizinische Entscheidungen werden von den beiden in enger Kooperation mit dem Chef des „Modern German Hospital“ in Sanaa getroffen, der sich bereit erklärt hat, die Betreuung von Murad zu übernehmen. Diese Tatsache ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, da wir es als Nichtmediziner unbedingt vermeiden wollen, uns Kompetenzen anzumaßen, die Murad möglicherweise eher schaden als dass sie ihm helfen.

Weitere Untersuchungen des kleinen Jungen stehen an, doch scheint festzustehen, dass er unter Sichelzellenanämie leidet, einer schweren und chronischen Blutkrankheit. Das Bedenkliche: es gibt keine Therapie, d.h., Murad wird vermutlich sein ganzes Leben Hilfe benötigen. Daher ist auch ein Flug zur Behandlung nach Deutschland, über den wir geredet haben, wenig sinnvoll: nach Aussage des saarländischen Spezialisten ist es wesentlich besser, Murad vor Ort zu behandeln als ihn ein paar Monate in einer Klinik zu betreuen und danach wieder in das Elend zurück zu schicken. Zumal ein Flug für den Kleinen zusätzliche Schmerzen bedeuten würde.

Murad bei der Untersuchung

Entscheidend wird sein, ob er Hydroxycarbamid bekommt, ein Zytostatikum, das das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmt. Wir prüfen gerade, ob es dies in Jemens Hauptstadt gibt. Auch wenn uns Angebote aus Deutschland vorliegen, den Wirkstoff zu sammeln, erscheint uns der „Import“ nach Sanaa die schlechtere Variante zu sein. Noch immer wird der Jemen durch Saudi-Arabien mit einem umfassenden Embargo belegt. Entscheidend ist die langfristige Versorgung mit den Medikamenten, nicht eine einmalige Aktion.

Daneben benötigt Murad starke Schmerzmittel (am besten Morphinpräparate), wenn die Zellen verklumpen, die Gefäße sich verschließen und er seine Schmerz-Schübe bekommt. Auf einer Skala von Null bis zehn nennen junge Patienten regelmäßig den Wert 8, 9 oder 10. Es müssen also brutale Schmerzen sein, unter denen Murad leidet.  Zusätzlich kann nach Aussage des Onkologen an die Gabe von Sauerstoff gedacht werden. Auch diese Behandlungsmethode wird gerade in Sanaa geprüft.

Murad mit seiner Familie

Wir haben uns entschlossen, für die Familie von Murad eine kleine Wohnung in der Hauptstadt anzumieten, am besten in der Nähe der Klinik im Osten der Stadt, um die Wege zur Behandlung so klein wie möglich zu machen. Die hygienischen Rahmenbedingungen in der Hütte auf freiem Feld, die die Familie derzeit bewohnt (40 Kilometer außerhalb der Stadt), sind verheerend. Dazu kommt, dass es dort jetzt im beginnenden Sommer unerträglich heiß ist und es keinen Zugang zu Trinkwasser gibt. Beides ist fatal für Patienten, die unter Sichelzellenanämie leiden: die Hitze lässt das Blut schneller verklumpen, genau wie das Fehlen von genügenden Mengen an Flüssigkeit.

Aus Stuttgart wird die Spendenaktion von Steffi Liebig, der Geschäftsstellenleiterin von Future4Kids und ihrem Team koordiniert.

Hier ein Photo der KollegInnen, die sich aus Kairo und  in Sanaa um die Hilfsmaßnahmen für Murad kümmern.

v.l.n.r: Martin (Kameramann ARD-Studio Kairo), Fuad (Fahrer und Organisator in Sanaa), Alia (Field Producerin ARD-Studio Kairo aus Jordanien), Mohammed (Produktionschef Sanaa), Thomas (ARD-Sonderkorrespondent Nahost), Mohammed (Begleiter des jemenitischen Informationsministeriums).

 

Wir halten Sie auf dem Laufenden, wenn es erste konkrete Maßnahmen zu berichten gibt. In der Anfangsphase dürfte das etwa alle zwei Wochen der Fall sein.

Thomas Aders, 3.5. 2016